Scapulare = Schulterkleid

Bezeichnet 1) einen breiten, über Brust und den Rücken bis zu den Füßen herabfallenden Tuch-Streifen, den manche Orden - so die Benediktiner und Dominikaner - als Teil des Ordenskleides (als Arbeits-Schürze) tragen, 2) als verkleinerte Art davon, bestehend aus 2 viereckigen Wollstücken, die an einem Band über die Schultern bis zur Brust herabhängend getragen werden (Laien-Skapulier) von Bruderschaften, Oblaten und Terziaren, die aus jenen Orden hervorgegangen sind. Das Skapulier der 3. Orden wird als "großes" bezeichnet - im Genesatz zum "kleinen" der Bruderschaften.

Von den Skapulieren ist das bekannteste das braune (schwarze) Skapulier Unserer Lieben Frau vom Berge Karmel. Ein weißes Skapulier (von der allerheiligsten Dreifaltigkeit) verbreiteten die Trinitarier seit dem Jahre 1200 n. Chr., ein schwarzes Skapulier (von den 7 Schmerzen Mariens) seit dem Jahr 1255 n. Chr. die Serviten, ein weißes Skapulier (Unsere Liebe Frau von der Barmherzigkeit) die Mercedarier. Ähnliche Skapuliere tragen auch die Mitglieder des 3. Ordens des heiligen Franz von Assisi.

Keine Zugehörigkeit zu einer Bruderschaft bedingen: das blaue Skapulier von der Unbefleckten Empfängnis Mariens, den Theatinern im Jahre 1691 n. Chr. imd im Jahre 1710 n. Chr. zugelassen (Bruderschaft erst seit dem 19. Jh.). Das rote oder Passions - Skapulier der Lazaristen (im Jahre 1847 n. Chr. zugelassen) und ein ähnliches Skapulier von den heiligsten Herzen Jesu und Mariens (im Jahre 1900 n. Chr. zugelassen), sowie das weiße Skapulier vom heiligsten Herzen Jesu (im Jahre 1900 n. Chr. zugelassen), das weiße Skapulier von der guten Mutter des guten Rates der Augustiner-Eremiten (im Jahre 1893 zugelassen), das violiett-gelbe Skapulier vom heiligen Josef (den Kapuzinern im Jahre 1893 zugelassen), die Skapuliere des heiligen Dominikus, des heiligen Kamillus von Lellis und der Passionisten.

Papst Pius X. hat am 16. Dezember 1910 n. Chr. bestimmt, dass anstelle der Skapuliere Medaillen mit dem Bild des Herzens Jesu und der Mutter Gottes, die vor dem Gebrauch zu weihen sind, getragen werden können (nicht jedoch von den Mitgliedern des 3. Ordens).

Die Einführung des Skapuliers Unserer Lieben Frau vom Berge Karmel hängt mit der im Karmeliter-Orden von Anfang an besonders gepflegten Marienverehrung zusammen.

Nach der Überlieferung des Karmeliter-Ordens, die auch in der 5. Lesung des Breviers am sogenannten Skapulier-Fest am 16. Juli jeden Jahres angeführt wird, erschien die Mutte4r Gottes dem heiligen Simon Stock am 16. Juli 1251 zu Cambridge und übergab ihm das bereits als Teild des Ordensgewandes gebräuchliche Skapulier zum Unterpfand des Heiles für all die Menschen, die mit ihm bekleidet sterben.

Zahlreiche Päpste seit dem 16. Jahrhundert haben jene Erscheinung und Verheißung als frommen Glauben zu verkündigen gestattet. Gegen ihre Geschichtlichkeit bestehen aber ernste Bedenken. Die alten Geschichtsschreiber des Ordens wissen nichts davon Das vor allem als Beweis angeführte, vom Provinzial Johannes Cheron im Jahre 1642 n. Chr. erstmals veröffentlichte Zeugnis des Petrus Swannington ist bestimmt unecht; es wird jetzt auch von den Karmelitern preisgegeben.

Ein geschichtlicher Beleg für die Skapuliererscheinung findet sich erst im Jahre 1430 n. Chr. bei Johannes Grossi; aber hier ist nur von der Verheißung des Heiles für die Karmeliten selbst, die das Skapulier bzw. Ordenskleid fromm tragen, die Rede. Es läßt sich nicht nachweisen, daß bei den Karmeliten vor dem 15. Jahrhundert auf das Tragen des Skapuliers ein größeres Gewicht gelegt gelegt wurde als bei den anderen Orden; bei den mit ihnen seit etwa dem Jahre 1280 n. Chr. verbundenen Marien-Bruderschaften wird das (verkleinerte) Skapulier sogar erst im 16. Jahrhundert vorgeschrieben, was beim Vorhandensein einer glaubwürdigen Überlieferung unerklärlich wäre.