Der Justinger Kirchturm hatte ursprünglich vier Glocken. Die größte trug die Aufschrift:"Theodosius Ernst goss mich in Ulm anno 1685. Josephe delictissime prcibus commendat per generos Dn. Joseph Albertus de Freiburg et subditi universi."

Auf einer zweiten Glocke, die alle Merkmale uralter Herkunft trug, befanden sich in frühgothischen Majuskeln die Namen der vier Evangelisten und die Anfangsworte des englichen Grußes: "ave maria grat."

Eine dritte Glocke von schlechtem Guß und Ton trug keine Aufschrift. Sie soll der Sage nach gegen die damalige große Turmglocke zu Weilersteußlingen vertauscht worden sein. Letztere, deren schöner voller Ton von günstigem Winde bis nach Justingen getragen wurde, trug die Aufschrift: "Anno domini 1584 Jesus Nazarenus rex judeorum."

Die vierte und kleinste Glocke, das sogenannte Wetter glöcklein, das seiner eigentümlichen Komposition wegen in hellem Silberglanze erscheint, trägt als Aufschrift den Namen der vier Evangelisten und die Jahrzahl 1514.

Diese vier Glocken wurden 1947 durch drei neue ersetzt, die aber nach 25 Jahren schon wieder im Hüttenbwerk Ulm eingeschmolzen wurden. In den Nachkriegsjahren - notgedrungen - ohne Zinn und mit unreinem Kupfer gegossen, erbrachte ihr ehrendes Lied keine Klangfülle, kein echtes Tongemisch, wie es im Glockenschlag erwartet wird.

Nicht von ungefähr hat der bischöfliche Musikreferent bei seiner Prüfung der Justinger Glocken das Urteil "spottschlecht" gefällt. Auch den Tontechnikern und Journalisten vom Rundfunk soll das Gehör geschmerzt haben, als sie bei Aufnahmen zur Kirchenrenovation in Justingen auch das Geläute der Pfarrkirche aufnehmen wollten. Eiligst packten sie ihre Tonkoffer bei den ersten Glockenschlägen zusammen. Ihr Kommentar: "Das können wir den Hörern nicht zumuten."

Bald aber hatte der Rundfunk die Gelegenheit, ein klangreines Geläute von St. Oswald in Justingen aufzunehmen. Denn Pfarrgemeinderat und Ortschaftsrat mit Pfarrer Franz Schefold und Ortsvorsteher Lorenz Glökler an der Spitze waren 1972 Zeugen des Glockengusses bei der Glockengiesserei Rudolf Perner in Passau. Die fünf neuen Glocken wurden am 13.05.1973 geweiht und stellen auch das heutige Geläute dar.

Die 5 Glocken im einzelnen

1. Glocke

Die große Christkönigsglocke mit eingegossenem Bildnis von Christus hat die Inschrift:

Christus siegt; Christus herrscht; Christus regiert

2. Glocke

Sie ist eine Muttergottes-Glocke mit eingegossenem Marienbild. Die Inschrift lautet:

Heilige Maria, erbitte uns Frieden und Heil

3. Glocke

Sie ist die Josefs-Glocke mit eingegossenenm Bildnis von Josef und Jesus. Die Inschrift lautet:

Heiliger Joseph beschütze Gemeinde und Kirche

4. Glocke

Diese Glocke ist dem Kirchenpaton St. Oswald geweiht. Auf der Glocke ist das Bildnis des Hl. Oswald dargestellt mit der Inschrift:

Heiliger Oswald behüte Glaube und Sitte

5. Glocke

Die kleinste Glocke ist die Michaels-Glocke mit eingegossenem Bildnis von St. Michael. Die Inschrift lautet:

Heiliger Michael geleite unsere Verstorbenen und Gefallenen

 

Hoffen wir, dass diese am 13. Mai 1973 eingeweihten Glocken noch lange ihren Dienst als Künder Gottes tun.

Wir bitten Gott, daß sie uns immer den Frieden lauten, daß ihr Klang unds in guten und in schweren Tagen einlädt zum Gebet und zum Gottesdienst.